Waffen, Killerspiele und die Medien

Knapp 24 Stunden nach dem tragischen Amoklauf eines 17 Jahre alten Schülers in Winnigen. Habe ich heute um 8:32 in den SWR3 Nachrichten das erste mal von „Killerspielen“ im Zusammenhang mit den Motiven des Täters Tim K. gehört. Okay das erste mal aus einer Quelle, die ich nicht lachhaft finde,  wie in einem Artikel der Financial Times Deutschland, die sich damit für mich in die Kathegorie Bild-Zeitung manövriert hat.

Nun ist es sehr schwer über die Zusammenhänge einer solche Tat zu schreiben ohne Gefühle und die Trauer der Betroffenen zu verletzen. Deswegen will ich nur auf die Reaktionen einiger Politiker und Medien eingehen, wie sie nach der schrecklichen Tat zu stande kamen.

Für sinnvoll halte ich die Aussage, dass die Tathergründe erst untersucht werden sollten, bevor eine Meinung gebildet werden soll. Doch noch bevor der Verdacht der Polizei über ein mögliches Motiv veröffentlich wird. Titeln bereits viele Magazine, mit den verhassten Killerspielen. Für mich als Computer-Spieler und junger Vater unverständlich. Warum sollte man nach dem Jugendschutz klassifizierte Spiele noch mehr peinigen und zensieren aber zeitgleich RTL erlauben zur besten Sendezeit einen Trailer für den eigenen Krimi-Spartensender auszustrahlen. Ein Trailer in dem „realistisch“ die Explosion eines männlichen Kopfes in Zeitlupe dargestellt wird, nachdem eine Kugel die Schläfe durchschlägt. Natürlich nicht ohne die signifikanten Blut und Hirnmassenspritzer an der Wand hinter dem Kopf. Ausgesendet wurde dieser Trailer nicht nur in passenden Sendungen wie CSI sondern auch bei DsdS, das u.a. auch meine 10 Jahre alte Schwägerin schaut.

Bleiben wir bei dem Beispiel meiner kleinen Schwägerin, in Punkto Computerspielekonsum ist sie durch den großen Bruder theoretisch in der Lage auf die volle Bandbreite der Computerspiele zuzugreifen von ABC mit Löwenzahn bis Zergmassen bei Starcraft, alles was das Herz begert, tut sie aber nicht. Denn die Mutter hat ein Auge auf das, was das Kind konsumiert. Beim Computer hat sie da auch eine direkte Kontrolle. Anders beim o.g. Fernsehprogramm, dort durfte die Kleine, das an und für sich harmlose Starcasting sehen, unbeaufsichtig.  Wer soll ahnen, dass bei einer Sendung für eine Zielgruppe 6-21 Jahre ein „gewaltverherrlichender“ Trailer läuft?

Machen wir mit der Sparte der Krimiserien doch mal weiter. Seit Tatort und dem Alten hat sich einiges getan. Mit CSI, Dexter, Criminal Minds und vielen anderen Serien gibt es im Fernsehn einen Trend, der jedem erklärt, wie man Spuren verwischen könnte. Ob die in der Serie eingesetzten Techniken zur Aufklärung immer 100% real sind will ich keinesfalls behaupten. Jedoch könnte man durch den regelmäßigen Konsum dieser Serien den Eindruck gewinnen, wie das perfekte Verbrechen geplant und ausgeführt werden kann.  Bewirkt das Ausstrahlen dieser preisgekrönten Killerserien einen nationalen Aufschrei? Nein, tut es nicht. Statt dessen kann man im unzensierten Fernsehprogramm erfahren, worauf man beim geplanten Mord achten sollte. Das ist eine echte Anleitung des Verbrechens. Besser, als sie jedes Spiel je geben könnte.

Im Gegensatz zu den allabendlichen Lehrvideos über Gewaltverbrechen ist der Detailierungsgrad eines Computerspiels nicht annähernd so lehrreich. Jeder Fernsehzuschauer kann mit Amoniak Blutspuren wegwischen und damit DNA-Tests unmöglich machen. Nicht jeder CounterStrike-Spieler ist in der Lage mit einer Schusswaffe umzugehen. Mit „R“ läd man nach, mit der rechten Maustaste drückt man ab und zielen funktioniert über den kleinen roten Punkt in der Mitte der HUD, mehr braucht’s nicht für einen klassischen Shooter. Das ist keine echte Einweisung in Waffenkunde. Ich vermute sogar dass der Hauptteil der Killerspieler nicht in Lager wäre mehr als einen Schuss aus einer Handfeuerwaffe abzugeben, geschweigedenn zu treffen. Diejenigen aber die in der Lage sind, mit einer großkalibrige 9mm Beretta umzugehen haben dies nicht aus einem virtuellen Shooter sondern im echten Leben gelernt.  In den Fällen Erfurts und Winnigens mit den Waffen des Vaters und im örtlichen Schützenverein.

Der Vater K. ist Sportschütze. Deswegen hatte er auch 16 „Sportwaffen“ im Tresor liegen oder im Schlafzimmer. Gut zugänglich für den auffällig unauffälligen Sohn mit seiner unterdrückten Wut.

Unterdrückte Wut. Ein Stichwort das fast immer im Zusammenhang mit Amokläufern genannt wird. Warum sind diese Menschen wütent? Weil sie sozial nicht anerkannt werden, zwischenmenschliche Probleme nicht lösen können? Es gibt viele pychologisch fundierte Gründe für unterdrückte Wut. Doch reagiert jeder Mensch individuell auf diese Art des Stress. Deswegen ist die pychologische Komponente des Problems nicht immer für jeden greifbar. Es muss also ein anderer Sündenbock her. Wie wäre es mit den Lehrern und Eltern, denen die Probleme ihres Schutzbefohlenen nicht aufgefallen sind? Nein, der Junge war doch immer so lieb und nett, wer hätte ahnen können was in ihm vor geht. Aber diese Spiele, die er gespielt hat…

Computerspiele in denen es ein zentraler Bestandteil ist anderen (virtuellen) Mitspielern das Leben zu nehmen. Killerspiele eben. Ich behaupte jetzt mal dass 95% der Menschen, die nach 1979 geboren sind, in der Kindheit oder Jugend Kontakt zu einem Videospiel hatte in dem es darum ging jemanden zu töten. sind wir alle gefärdet? Nein nur die exessiven Spieler – bleiben ich würde sagen 20% der Jungen, die sich Killerspiele zum Hobby gemacht haben… Davon sind wieviele Amok gelaufen? Drei Amokläufe deutscher Schüler fallen in die Generation der Killerspieler. Allesamt mit den Waffen der Eltern verübt.

Ist es denn dann im Sinne einer Rasterfandung nicht effektiver alle Kinder der Sportschützen und Inhaber von Waffenbesitzkarten in den Fokus der öffentlichen Debatte zu ziehen, statt die Unmenge der Jugendlichen mit Zugang zu einem Computer?Wäre es nicht Ratsam die Einhaltung der bestehenden Waffengesetze verschärft zu kontrollieren und mit harten Geldstrafen und Waffenentzug die schwarzen Schafe unter den Waffenbesitzern abmahnen?

Sollte man nicht Lehrer und Eltern bei der Früherkennung unterdrückter Wut unter die Arme greifen?

…Nein wir sollten Computerspiele verbieten, alle!

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